Googles Cookie-Ersatz „FLOC“ – und warum ihn keiner haben will?

Und? Ist es Ihnen heute wieder passiert, dass sie Werbung für etwas hatten, dass Sie vor 2 Wochen aufgerufen haben? Hach. Ist Tracking nicht wunderbar? All diese fremdem Dienste, die uns zehn Mal besser kenn als wir uns selbst? Was? Sie werden nicht getrackt? Sie blockieren Tracking-Cookies? Hm. Und kennen Sie schon den Nachfolger der Cookies, FLOC? Nein? Naja … FLOC ist auch nicht besser.

„FLOC“ ist keine neue Eiscreme

FLOC steht für „Federated Learning of Cohorts“, zu Deutsch“ Föderiertes Lernen von Kohorten“.

Dabei ist das System von FLOC ein wenig anders. Bei Tracking-Cookies ist es so: Sie besuchen eine Website über Sport. Diese Website hat einen Tracking-Cookie eingebaut der wird jetzt mit geladen die Tracking-Institution, die hinter dem Cookie steht, weiß jetzt: Sie waren auf einer Sport-Website, und zwar ungefähr 4 Stunden lang. Das heißt Sie müssen Sport mögen. Auf der nächsten Website, einem Webshop, wird Ihnen dann auf einmal ein passendes Produkt angezeigt, ein Trimmrad für Zuhause. Das wird Ihnen angezeigt, weil sie gerade in einem Webshop sind, der auch Sportartikel verkauft und den gleichen Tracking-Dienst benutzt, den auch die Sport Website eingebaut hatte. Der Tracking Dienst weiß jetzt: Sie müssen Sport mögen. Also versucht man Ihnen einfach mal das Trimmrad anzudrehen. Das System kann sie dabei identifizieren, indem es ihr Cookie ausliest.

Jetzt wird es interessant: FLOC arbeitet mit dem Browser. Der Browser hat verschiedene Körbchen und die sind von Google festgelegt. Wenn sie jetzt eine Erotik-Website besuchen, dann wird zum Beispiel das Erotik-Körbchen aktiviert andere Webseiten können dann auslesen: Aha, in diesem Browser ist das Erotik-Körbchen aktiviert also können wir dem mal Erotikwerbung schalten.

Laut Google soll das dann auch dafür sorgen, dass nicht Hans Wurst ganz genau identifiziert und getrackt werden kann, sondern alle Hans Wurst´s die Erotik mögen eine Gruppe sind und alle Hans Wurst´s die Wurst mögen eine Gruppe sind. Dadurch ist nicht die Person direkt identifizierbar, sondern nur eine Personengruppe, damit will der Konzern auch Datenschützer milde stimmen, die schon jahrelang Google dafür kritisieren, das personenbezogene Daten in einem sehr großen und detaillierten Stil gesammelt werden.

Streng genommen könnte man also einfach sagen, man hat den Server gewechselt, auf denen die personenbezogenen Daten gesammelt werden. Gut diese „Kohorte“ sind auch nochmal eine andere Methode das machen Tracking Dienste nicht so.

Mit jedem Website-Besuch sammelt der Browser ein Profil über Sie und Ihr Surfverhalten. Welche Vorlieben Sie haben und welche Dinge sie überhaupt nicht mögen. Das fließt in einen Targeting- Algorithmus ein, der lokal auf Ihrem Gerät läuft. Das Ergebnis des Algorithmus wird an Google gesendet und die liefern daraus dann entsprechend passende Werbung.

Die Identifizierung passender personalisierter Werbung findet also jetzt nicht mehr vom Server statt, sondern direkt vom Webbrowser. Der übernimmt dann künftig auch das Laden der Werbung? Wunderbar! Inwiefern können dann Erweiterungen Werbung blockieren, wenn der Browser diese selbe ausliefert?

FLOC ist nicht beliebt

Während Datenschützer weiter kritisieren, dass es datenschutzrechtlich eigentlich keinen großen Unterschied zu dem bisherigen Tracking gebe, hat die Electronic Frontier Foundation FLOC als eine sehr schlechte Idee bezeichnet. Die gehen sogar so weit Google zu sagen „Bitte mach das nicht.“

Vivaldi und Brave, zwei andere Browser, wollen FLOC nicht umsetzen und werden es sogar blockieren auch DuckDuckGo übt scharfe Kritik am System und möchte ich es nicht einsetzen.

Einer der größeren Player, ja jetzt mit dem Chromium-basierten Microsoft Edge geworden, ist Microsoft. Die haben sich bei einem Interview mit The Verge mit Wischi-Waschi rausgeredet. Man kann also hier noch nicht ganz genau sagen, ob Microsoft FLOC einsetzen wird, oder blockieren wird – das wird die Zukunft zeigen. Möglich, dass sie FLOC gar nicht einsetzen müssen, weil sie schon etwas ähnliches in Windows implementiert haben. 😉

Da FLOC noch zu sehr in den Kinderschuhen steckt, lässt sich jetzt noch nicht allzu viel dazu sagen – außer das was die Electronic Frontier Foundation bereits dazu gesammelt hat.

Ich verweise auf zwei Artikel die ich auch als Quelle für diesen Artikel benutzt habe und gebe dieses Thema in eure Hände, zur weiteren Identifikation der Vor- und Nachteile. Ich werde dieses Thema selbst auch weiterverfolgen. Es ist spannend was ein Unternehmen wie Google das ja auch werbeorientiert ist versucht, um weiter gewisse Praktiken zu betreiben, den Datenschutz allerdings dabei so gut wie … eben gewollt, zu beachten.


Quellen und Inspirationen:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

71  +    =  75